
Bayrische Biere — sind das nicht diese dünnen Biere, die man literweise zu sich nehmen muss, um überhaupt eine Wirkung zu spüren?
Der Braumeister des hier vorgestellten Bieres würde uns wahrscheinlich höchstens noch Mineralwasser kredenzen, würden wir sein Bier als ‚bayrisch‘ bezeichnen — Bundesland hin, Bundesland her. Denn Forchheim liegt in Franken. Forchheim hat zwar nur etwa 30 000 Einwohner, dafür aber vier Brauereien. Und die kleinste Brauerei von ihnen ist die Brauerei Eichhorn.
Doch zurück zum Bier: Die echten Experten suchen auf dem Etikett natürlich erst mal nach dem Alkohol gehalt — und stutzen: Hat ein Pils nicht normalerweise so um die 4,8 %? Hat es. Nicht so aber dieses. Überrascht stellen wir fest, dass dort 5,4 vol. % Alkohol angegeben sind. Ein Alkoholgehalt, wie wir ihn eher von klassischen Exportbieren gewohnt sind.
Grundsätzlich scheint es eher so zu sein, dass die süddeutschen Biere pilsener Brauart stärker sind als ihre norddeutschen Pendanten. Konrad Greif aber, der Braumeister, der für dieses außergewöhnliche Pils verantwortlich zeichnet, scheint sein Bier gerne noch etwas stärker einzubrauen als lokal üblich. Und was soll man sagen - es kommt dem Bier zugute.
Kein Spritgeschmack, keine Pampigkeit.
Nun, offensichtlich ist dieses Bier hochvergoren, wie es sich für ein ordentliches Pils gehört. Und der Hopfen ist auch nicht nur in diesem Bier, um es bitter zu machen. Leckerer Aromahopfen gibt diesem Pils seinen Charakter, der als mehr denn als ‚fein‘ bezeichnet werden kann. Allerdings kann dieses Bier seine Herkunft aus einer fränkischen Kleinbrauerei nicht verleugnen - was ihm durchaus nicht zum Nachteil gereicht. Im Antrunk kann man den für viele Kleinbrauereien typischen fruchtigen Anklang finden. Nach einem kräftigen Schluck verweilt dann der herrlich herbe Geschmack dieses Bieres noch lange hinter auf der Zunge.
Bei unserer letzten Blindverkostung in der Bierboutique Ølwechsel hat dieses Pils durchweg als das beste der probierten Biere abgeschnitten. Auch wenn es nicht die schlanke trocken -spritzige Eleganz aufgewiesen hat, wie man es von einem typischen Pils erwartet hätte.
Übrigens ist Pils entgegen der landläufigen Meinung durchaus ein typisch bayrisches Bier. Schließlich wurde es erstmals vom bayerischen Braumeister Josef Groll 1842 in Pilsen ausgeschenkt.










