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Montag, 18. Oktober 2010
Hummel-Bräu Räucherla

Wer mit Rauchbier etwas anfangen kann, denkt als erstes an Bamberg. Die Stadt gilt als Zentrum dieser Spezialität. Das es zu diesem Zentrum durchaus auch eine bedeutende Peripherie gibt, haben wir bei der Besprechung dreier Rauchbiere bereits gezeigt, die sowohl in Hof als auch im Steigerwald gebraut wurden.
Auch das hier vorgestellte Räucherla von Hummel-Bräu wurde nicht in Bamberg selbst gebraut, sondern in einem ca. 10 km östlich gelegenen Ort Namens Merkendorf.
Es handelt sich um ein Märzen, ist mit 5,6 vol. % Alkohol also etwas stärker als ein normales Export-Bier. Die Farbe ist dunkel mit einem herbstlich rötlichen Schimmer.
Ist der Rauchgeschmack dieses Bieres nun kräftig oder nicht? Bezugspunkt aller Rauchbiere muss wohl das bekannteste dieses Typs sein, das Schlenkerla aus Bamberg. Verglichen mit diesem Bier ist das Räucherla aus Merkendorf eher zurückhaltend. Dennoch, sowohl Geruch aus auch Geschmack dieses Bieres wird geprägt vom Rauchmalzaroma. Im Unterschied zum Schlenkerla weckt das Raucharoma dieses Bieres aber nicht sofort die Assoziation von Räucherschinken.
Das Lederaroma alter Bordeauxweine – habe ich neulich gelernt – ist auf Paräthylphenol zurückzuführen. Ob dieser Stoff auch für das prägende Arome von Räucherla verantwortlich ist, weiß ich nicht. Auch hatte ich noch nicht das Glück, besonders viele alte Bordeauxweine probieren zu dürfen. Wohl kann ich aber sagen, dass das Aroma von Räucherla verglichen werden kann mit dem Aroma, das für Whiskys so typisch ist, deren Malz über offenem Torffeuer getrocknet wurde.
Das Rauchmalzaroma ist also durchaus kräftig, nicht aber penetrant und fügt sich zu einem runden Ganzen in diesem Bier, das sicher kein Bier für alle Tage ist.
in Expeditionen ins Bierreich
um
20:15
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Tags für diesen Artikel: Bier, Bierbeschreibung, Dunkles, Franken, fränkisches Bier, Märzen, Obergärig, Rauchbier, Vollbier
Sonntag, 3. Oktober 2010
Warum nicht? – Das Deutsche Reinheitsgebot
Teil 5 und Schluss: Reinheit die geboten ist
Zumindest...
Zumindest — so lautet das meistgehörte Argument fortgeschrittener Diskussionen über das Reinheitsgebot, zumindest verhindert es den Zusatz künstlicher Aroma– und Konservierungsstoffe.
Vor allen Dingen — möchte man korrigieren — dient das Reinheitsgebot den Bierkonzernen, den deutschen Markt vor unliebsamer Konkurrenz abzuschotten. Paradoxerweise ergibt sich gerade daraus ein Fünkchen Hoffnung: Haben die inzwischen internationalen Bierkonzerne (die sich außerhalb Deutschlands freilich nicht die Bohne um ein irgendwie geartetes Reinheitsgebot scheren) in nicht mehr allzu ferner Zukunft den relevanten Markt unter sich aufgeteilt, kann die Bierlobby auf dieses wohlfeile Instrument womöglich verzichten. Vielleicht werden wir dann das Ende der grotesken Orthodoxie erleben und die Reinwäscherei weicht einer Diskussion um eine sinnvolle Kennzeichnungspflicht aller Zutaten — auch jener, die bislang nicht deklariert werden müssen weil sie — natürlich nur soweit technisch möglich — wieder herausgefiltert werden.
Vielleicht erhält man dann eine Antwort darauf, warum Polyvinylpolypyrrolidon zugesetzt werden darf, natürliche Fruchtmaische aber nicht. Oder warum obergärigen Bieren Zucker zugesetzt werden darf, das Reinheitsgebot das Brauen mit Mais aber nicht zulässt — wohl aber mit Weizen statt der nach original Reinheitsgebot obligatorischen Gerste. Auf die Aufzählung weiterer Abstrusitäten verzichte ich hier, der geneigte Leser kann sie in den vorangegangenen Teilen finden.
Und wenn wir dann noch auf dem Etikett erfahren, ob das Bier wie jede schnöde H-Milch pasteurisiert wurde oder ob wir es mit einem Lebensmittel zu tun haben, in dem auch noch Leben steckt, dann wären wir sicherlich einen ganzen Schritt weiter.
Vielleicht fiele es dann dem ein oder anderem leichter, das Fabrikbier rechts liegen zu lassen, sei es nun nur mit Wasser, Malz, Hopfen und Hefe gebraut oder unter Zuhilfenahme von Reis, Mais oder allerlei E-irgendwasse. Ich will die Hoffnung nicht aufgeben, dass es eine Nische für gute, hadwerklich gebraute Biere geben könnte, die dann vielleicht gar eine Chance hätten, ein Stück weit aus ihrer Nische hervorzulinsen.
Schluss!
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