Wir wollen auch sonderlichen dass füran allenthalben in unsern stetten märckthen un auf dem lannde zu kainem pier merer stückh dan allain gersten, hopfen un wasser genommen un gepraucht solle werdn.
So, so: Gerste, Hopfen und Wasser: Was soll eigentlich dabei herauskommen, wenn man sich bei der Getränkezubereitung peinlich an diese Zutatenliste hält? Bier? Mitnichten! Probieren sie es. Aber seien sie auf die Reinheiten der Zutaten bedacht. Als Ergebnis werden sie eine Flüssigkeit erhalten, die an Malzbonbons mit einem recht bitteren Nachgeschmack erinnert.
Bier wird erst daraus, wenn man es mit der Reinheit nicht gar zu genau nimmt:
Stellen sie ihre Maische offen so hin, dass alles, was in der Luft so kreucht und fleucht an ihre Mischung gelangen kann. Zumeist werden sich nun irgendwelche Bakterien und Schimmelpilze einnisten, und das Gebräu ungenießbar machen. Haben sie aber Glück, gibt es bei Ihnen geeignete Hefepilze, die die Oberhand gewinnen: Heissa, mit Viel Glück und wenig Reinheit erhalten sie etwas, was durchaus als Bier bezeichnet werden kann. Der Geschmack dürfte etwas gewöhnungsbedürftig sein.
Aus Deutschland ist mir ein so hergestelltes Bier nicht bekannt. In Belgien wird das gemacht. Im Südwesten von Brüssel kommen die Hefekulturen Brettanomyces Bruxullensis" und "Brettanomyces Lambicus“ natürlich vor und setzen einen Gärprozess in Gang, der die Maische in ein köstliches Lambic verwandelt.
... und demnächst widmen wir uns der Frage, wie rein das nach dem Reinheitsgebot gebraute Bier eigentlich ist.

