Teil 5 und Schluss: Reinheit die geboten ist
Zumindest...
Zumindest — so lautet das meistgehörte Argument fortgeschrittener Diskussionen über das Reinheitsgebot, zumindest verhindert es den Zusatz künstlicher Aroma– und Konservierungsstoffe.
Vor allen Dingen — möchte man korrigieren — dient das Reinheitsgebot den Bierkonzernen, den deutschen Markt vor unliebsamer Konkurrenz abzuschotten. Paradoxerweise ergibt sich gerade daraus ein Fünkchen Hoffnung: Haben die inzwischen internationalen Bierkonzerne (die sich außerhalb Deutschlands freilich nicht die Bohne um ein irgendwie geartetes Reinheitsgebot scheren) in nicht mehr allzu ferner Zukunft den relevanten Markt unter sich aufgeteilt, kann die Bierlobby auf dieses wohlfeile Instrument womöglich verzichten. Vielleicht werden wir dann das Ende der grotesken Orthodoxie erleben und die Reinwäscherei weicht einer Diskussion um eine sinnvolle Kennzeichnungspflicht aller Zutaten — auch jener, die bislang nicht deklariert werden müssen weil sie — natürlich nur soweit technisch möglich — wieder herausgefiltert werden.
Vielleicht erhält man dann eine Antwort darauf, warum Polyvinylpolypyrrolidon zugesetzt werden darf, natürliche Fruchtmaische aber nicht. Oder warum obergärigen Bieren Zucker zugesetzt werden darf, das Reinheitsgebot das Brauen mit Mais aber nicht zulässt — wohl aber mit Weizen statt der nach original Reinheitsgebot obligatorischen Gerste. Auf die Aufzählung weiterer Abstrusitäten verzichte ich hier, der geneigte Leser kann sie in den vorangegangenen Teilen finden.
Und wenn wir dann noch auf dem Etikett erfahren, ob das Bier wie jede schnöde H-Milch pasteurisiert wurde oder ob wir es mit einem Lebensmittel zu tun haben, in dem auch noch Leben steckt, dann wären wir sicherlich einen ganzen Schritt weiter.
Vielleicht fiele es dann dem ein oder anderem leichter, das Fabrikbier rechts liegen zu lassen, sei es nun nur mit Wasser, Malz, Hopfen und Hefe gebraut oder unter Zuhilfenahme von Reis, Mais oder allerlei E-irgendwasse. Ich will die Hoffnung nicht aufgeben, dass es eine Nische für gute, hadwerklich gebraute Biere geben könnte, die dann vielleicht gar eine Chance hätten, ein Stück weit aus ihrer Nische hervorzulinsen.
Schluss!
