
In Teil II haben wir ein Buch vorgestellt, das sich der Kulturgeschichte des Brauens unter einem sehr speziellen Blickwinkel angenommen hat. Etwas konventioneller widmet sich Jacob Blume der Kulturgeschichte des Bieres. Das Buch heißt „Bier. Was die Welt im innersten zusammenhält“ und ist 2000 im Verlag die Werkstatt erschienen.
Wer sich für Bier jenseits von Oktoberfest und bierernsten Anekdötchen interessiert, findet mit diesem Buch einen guten Einstieg. Es ist ausführlich, übersichtlich und reichhaltig illustriert.
Wer hat eigentlich angefangen mit Bierbrauen? Wo kommt der Name her? Was haben die alten Germanen so alles mit Bier (oder zumindest so etwas ähnlichem) angestellt? Welchen Verdienst haben sich die Mönche um das Bier gemacht? Welche Rolle spielte das Bier beim Übergang von der handwerklich geprägten in die industrielle Gesellschaft? Inwiefern ist Bier politisch? - Auf all diese Fragen versucht Jacob Blume eine Antwort zu geben.
Er geht dabei chronologisch vor: Von den alten Ägyptern und Germanen zum klassischen Altertum über das Mittelalter bis hin zur Neuzeit. Er zeigt die jeweilige gesellschaftliche Bedeutung des Bieres auf und stellt die verschiedenen Trinkrituale und –sitten vor.
Leider merkt man dem Buch an, dass es etwas schlampig zusammengeschrieben und redigiert wurde. So macht der Autor aus dem allüberall auftauchenden Spruch „Hopfen und Malz, Gott erhalt‘s“ ein „Hefe und Malz, Gott erhalt‘s“. Mir jedenfalls ist diese Variante nicht geläufig. Und im Glossar sind der Hefe zwar knapp drei Zeilen gewidmet, der Hopfen taucht dort aber gar nicht erst auf.
Eine ganz hervorragende Darstellung der Kulturgeschichte des Bieres findet sich in Wolfgang Schivelbuschs „Das Paradies, der Geschmack und die Vernunft“, als Taschenbuch 1990 beim Fischer Verlag erschienen. Der Untertitel des Buches sagt es aber schon: es handelt sich um „Eine Geschichte der Genussmittel“. Dem Bier ist deshalb nur ein kleiner Teil in drei Kapiteln eingeräumt. Dessen ungeachtet ist das Buch der interessierten Bierliebhaberin sehr zu empfehlen, da es sauber recherchiert und sehr gut lesbar geschrieben ist.
Bier wird hier in erster Linie im Rahmen der Wirtshauskultur des mit der Industrialisierung aufkommenden Proletariats behandelt. Wer sich also für Biergenuss in Wirtschaften interessiert, erfährt hier einiges wissenswertes.
Und wer seinen Blick auch auf andere Genussmittel richten möchte, hält mit diesem Buch ein umfassendes Kompendium in Händen.
