Der Sommer ist wohl unwiderruflich vorbei. Doch hoffen wir nicht alle noch mal auf ein letztes Aufbäumen, in dem wir noch einen sonnigen Nachmittag auf der Terrasse verbringen können — und sei es eingewickelt in eine wärmende Kolter — und den gelben und roten Blättern nachschauen können, wie sie von den Bäumen fallen?Wenn wir dann noch mal der lauen Sommerabende gedenken, dann ist das Rodenbach das Bier unserer Wahl.
Die Farbe ist auf die warmen Herbsttöne abgestimmt: Beim Rodenbach handelt es sich um ein typisches Rotbier, wie es in Westflandern gebraut wird.
Passionierte Rotweintrinker werden an der Farbe auszusetzen haben, dass sie nicht wirklich der eines dunklen Rotweins sondern einem eher herbstlich warmen rotbraun entspricht. Geschmacklich werden aber gerade Rotweintrinker eine Nuance erkennen, die ihnen vom Wein bekannt ist: Der leicht bitter-saure Geschmack von Tannin.
Den hat das Rodenbach seinem Reifeprozess zu verdanken. Denn nachdem die Hauptgärung abgeschlossen ist, wird das Bier in Eichenfässern ausgebaut und kann dort bis zu drei Jahren reifen.
Richtig: Dieses Bier wird nicht frisch genossen, sondern macht einen langjährigen Reifeprozess durch. Wer belgische Biere kennt, weiß, dass auch anderen von ihnen eine ausgedehnte Lagerung zugute kommt. Nach der Lagerung werden die reifen Biere dann noch mal mit jungen, spritzigen Bieren verschnitten, bevor sie abgefüllt werden.
Vorher muss die Würze jedoch gären, um zu Bier werden zu können. Im Falle von Rodenbach handelt es sich um eine so genannte gemischte Gärung. Dabei kommen nicht nur obergärige Hefen zum Einsatz. Diesmal dürfen ausnahmsweise auch Bakterien ihr Zersetzungswerk verrichten — ein weiterer Grund für die säuerliche Note des Bieres.
An dieser Stelle sei der typisch deutsche Biertrinker gewarnt: Der Geschmack des Rodenbachs wird nicht im Entferntesten dem entsprechen, was er sich unter einem typisch herben Bier vorstellt.
Eine gewisse Offenheit ist schon vonnöten, wenn man sich diesem Bier widmen will. Ein Charakterzug, der mir nicht gerade kennzeichnend für viele deutsche Biertrinker zu sein scheint.
Sollte es unter den Weintrinkern weniger orthodoxe Vertreter ihrer Zunft geben, so haben sie hier die Chance, sich auch mal an den Biergenuss heranzuwagen.
Ihnen wird, neben der bereits ausführlich besprochenen säuerlichen Note und der eher fehlenden Hopfenherbheit ein volles Bouquet fruchtiger Aromen entgegentreten. Wüsste man es nicht besser, man könnte Rodenbach für ein Fruchtbier halten, dem Kirsch- oder Johannisbeeraromen zugesetzt wurden.
Wir schließen uns gerne der ‚Meinung der Anderen‘ an. Ein offener, mutiger Versuch wird die meisten mit einer freudigen Überraschung belohnen.

