
Tja - ... Himbeerbier ...
Jede Assoziation mit Krombacher Cab Dragonfruit oder ähnlichen Kreationen verbietet sich hier. Und wer einerseits schreit „DAS IST DOCH KEIN BIER“ und andererseits dazu beiträgt, dass der Anteil von Biermischgetränken beim Umsatz der Industriebrauereien immer weiter zunimmt, ist für dieses Bier verloren.
Ja, natürlich handelt es sich um Bier!
Es ist eben kein Biermischgetränk. Der Zusatz von Früchten bzw. Fruchtsaft ist bei belgischen Fruchtbieren Teil des Brauprozesses. Wie man sich das Verfahren vorzustellen hat, werde ich in Teil drei der Trilogie „Vom Lambic zum Geuze“ beleuchten.
Das hier besprochene belgische Fruchtbier kommt aus der sehr renommierten Lambic-Brauerei Boon. Ich weiß: Wenn man betonen muss, dass etwas renommiert ist, kann es mit dem Renommee nicht so ganz weit her sein. Ich glaube aber, dass es zwischen den deutschen und den belgischen Bierfreunden hinsichtlich des Kenntnisstands zu Spezialbieren gewisse Divergenzen gibt. Lambic-Brauereien gibt es auch in Belgien nur noch recht wenige. Und wenn ich nicht ganz falsch informiert bin, gehört Boon zu den angesehenen.
Wirklich attraktiv sieht das Bier im Glas nicht aus. Man kennt den Effekt von selbst gemachter Marmelade: Wurde sie gerade frisch bereitet, leuchtet das Rot, als sei die Marmelade von innen angestrahlt. Holt man im Winter ein Glas aus dem Keller, um den Sommer auf den Frühstückstisch zu stellen, leuchtet nichts mehr. Die Farbe tendiert jetzt eher zu einem Rostbraun.
So präsentiert sich auch unser Fromboise Boon Lambiek.
Als Kind habe ich von meiner Tante jedes Jahr eine kleine Flasche selbst gemachten Himbeersirup bekommen. Irgendwie war er leicht vergoren. Zu dem fabelhaften Himbeeraroma gesellte sich so eine leicht saure Note, die den Himbeergeschmack noch zu betonen schien. Und der Geschmack war nicht der von natürlichem Himbeeraroma aus Sägespänen, wie wir ihn - geprägt von Himbeerjogurt – möglicherweise erwarten. Der Geschmack war der Geschmack von Himbeeren.
Warum ich hiervon berichte? Weil mir genau diese Gedanken beim Trinken des vortrefflichen Fruchtbiers gekommen sind. Eben dieses Aroma strömt einem aus dem Fromboise Boon Lambiek entgegen. Und auch hier ergänzt die Säure, die dem Lambiek ja eigen ist, das Himbeeraroma vortrefflich.
Da sich auf dem Etikett nicht der Zusatz ‚Oude’ findet, war davon auszugehen, dass bei diesem Bier die Vergehrung gestoppt wurde und so eine deutliche Restsüße geblieben ist. Diese Vermutung bestätigt sich beim probieren. Damit entspricht das Bier zwar nicht der reiner Lehre traditioneller Lambic-Braukunst. Geschmacklich kann ich aber nichts dagegen einwenden. Die deutliche Süße wird nämlich durch eine leichte Hopfenbittere und einem Deut vom Eichenfass abgegebenen Aroma gebrochen.




