Sinebrychoff Porter
Ich glaube, ich habe in meinem Leben erst drei verschiedene Porter getrunken.Von Stout – Guinness also zB. – heißt es, der Name leite sich von stout Porter ab, was wiederum strong Porter bedeute. Der Name Porter leite sich von Hafenarbeitern bzw. Trägern ab. Ein stout Porter wäre also ein besonders starkes gehaltvolles Bier, das schwer arbeitende Menschen zu sich genommen haben, um die vielen verbrauchten Kalorien wieder aufzufüllen. In Großbritannien und Irland habe ich schon häufiger Stout probiert – wurde mir doch gesagt, man müsse Stout halt erst drei mal getrunken haben, bis es einem schmecke. Für mich gilt das nicht. Man kann mir nicht vorwerfen, ich hätte es nicht oft genug probiert. Mir schmeckt Stout immer noch nicht sonderlich.
Als ich dann meine erste Flasche Porter in der Hand hielt, erwartete ich obiger Theorie entsprechend ein leichteres Stout. Es schmeckte aber eher wie ein mildes, dunkles Bockbier. Es handelte sich um ein dänisches Porter. Das nächste Porter das ich trank war ein deutsches. Auch das schmeckte wieder wie ein mildes, recht süßes dunkles Bockbier. Von Porter hatte ich mir mehr erwartet.
Um der Sache auf den Grund zu gehen, widmete ich mich wieder der theoretischen Seite des Biergenuss’ und sie da,: es gibt grundsätzlich zwei verschiedene Typen Porter: Das Englische und Irische obergärige Porter, dessen starke Version das Stout ist einerseits, und das etwas stärkere Porter baltischen Stils, das mit untergäriger Hefe gebraut wird andererseits. Hier hatte ich meine Erklärung: Ich hatte untergärige Porter des baltischen Stils probiert, die mit obergärigem Guinness, Murphy’s und Co nicht sonderlich viel zu tun hatten.
All dies hatte ich im Kopf, als ich nun in Finnland ,mithin im Baltikum, ein Porter entdeckt: Das Sinebrychoff Porter.
Nun war ich allerdings sehr überrascht, das ausgerechnet dieses Bier so schmeckte, wie ich es ursprünglich erwartet hatte. Nebenbei wurde mir auch endlich klar, was bei Bierbeschreibungen mit ‚Kaffee-Aroma’ gemeint ist. Gemeint ist gar nicht das Aroma von Bohnenkaffee, sondern von Kaffeeersatz: von Malzkaffee. Eigentlich wenig erstaunlich, dass man mit dem Malz in einem Bier ähnliche Aromata erreichen kann wie mit Malz im Malzkaffee. Sinebrychoff Porter hat nämlich einen ganz ausgeprägten Muckefuck Geschmack.
Wer von meinen Lesern hat früher Caro-Kaffee getrunken? Wenn man das Pulver in heißem Wasser auflöst, kann es passieren, das noch kleine Klümpchen unaufgelösten Pulvers auf dem Wasser schwimmen. Und bekommt man solch ein Klümpchen in den Mund, hat es ein sehr intensives Malzkaffee-Aroma.
Die Erinnerung an eben dieses Aroma drängte sich bei mir in den Vordergrund, als ich den ersten Schluck Sinebrychoff Porter nahm.
Da hatte ich nun endlich gelernt, was ein Baltisches Porter ist, und nun schmeckt es wieder ganz anders, als ich nach meinem vertieften Lektürestudium erwartete. In allen Beschreibungen über Sinebrychoff Porter die ich gelesen habe, stand als Typ: ‚Baltisches Porter’. Geografisch stimmt das wohl. Was Geschmack oder Brauart betrifft, würde ich es aber eher als Porter des Irisch/Englischen Typs bezeichnen. Das Sinebrychoff Porter ist nämlich wie andere Ales ein obergäriges Bier, mit all den geschmacklichen Auffächerungen die bei obergärigen Bieren häufig zu finden sind. Neben dem intensiven Malzkaffeearoma schmeckt man nämlich viele weitere Nuancen, wie so häufig abhängig von Ort, Zeit und Stimmung beim Biergenuss.
Obwohl die Sinbrychoff Brauerei schon 1999 vom globalen Brauereigiganten Carlsberg aufgekauft wurde und ich ja meine Vorbehalte gegenüber Industriebier habe, ist das Sinebrychoff Porter ein wirklich sehr sehr leckeres Bier.

